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Dorfgemeinschaft Lichtenberg e.V.Dorfgemeinschaft Lichtenberg e.V.

Letzte Änderung:
04.05.2017, 20:50

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Das Jahr 2007

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Am Weihnachtsbaum geht's rund - 2007

"Unser Dorf soll noch schöner werden" und "Lichtenberg, einfach schön hier".

Diese Grundsätze haben den Vorstand der Dorfgemeinschaft im Mai 2007 dazu bewogen, den Bereich rund um unseren Weihnachtsbaum in der Ortsmitte neu zu gestalten.

Das untere Bild zeigt den ursprünglichen Zustand des Geländes im Mai 2007:

Somit wurde ein Arbeitsteam gebildet, welches sich um die Umsetzung zu kümmern hatte. Im ersten Schritt wurde Olaf Schneider angesprochen, der sich zum Glück sofort dazu bereit erklärte, uns bei den Pflasterarbeiten rund um den Weihnachtsbaum mit Rat und Tat zu unterstützen. Der Bauhof der Gemeinde Morsbach war uns bei den Erdarbeiten behilflich und stellte uns sämtliches Baumaterial unentgeltlich zur Verfügung.

Vielen Dank an alle kleinen und große Helfer, die dazu beigetragen haben, dass wir den Bereich rund um unseren Weihnachtsbaum so schön gestalten konnten, wie es auf dem folgenden Foto zu sehen ist: Die obige Aufnahme zeigt dann den Zwischenstand im Sommer 2007.

Hier ist ganz bewusst von einem Zwischenstand die Rede, da weitere Planungen in 2008/09 die Gestaltung der Flächen mit einer Bruchsteinmauer und die Bepflanzung vorsehen.

© Text und Fotos: Thomas Bauer

Historische Ortsbegehung Lichtenberg Teil II am 19. August 2007

Auch zum zweiten Teil der Ortsbegehung Lichtenbergs fanden sich trotz des zeitweiligen Regens wie schon im Vorjahr mehr als 50 Personen an der Dorfmitte ein, die mehr über die Geschichte Lichtenbergs hören wollten.

1. Station Ehemalige Schusterwerkstatt Knopp

In dem heutigen Wohnhaus im Asbacher Weg wurde lange Zeit handgemachte Lederschuhe hergestellt. Hierzu brachten die Lichtenberger die beim Schlachten übrig gebliebene und gegerbte Haut zum Schuster, der dann das daraus gewonnene Leder als Ober- bzw. Schuhleder für die Schuhe verwendete. Damit diese auch wirklich passten, musste man sich auf einen Pappdeckel stellen, damit der Schuster genau Maß nehmen konnte und nach ein bis zwei Wochen konnte man dann die fertigen Schuhe abholen, die durch die eisenbeschlagenen Sohlen "immer schwer klackerten." Als die Firma Brocke ihre Arbeit in Lichtenberg aufnahm, begann auch der Schuster dort zu arbeiten und übte sein Handwerk nur noch nebenbei aus.

Außerdem gibt es in diesem Haus ein Wasserauffangbecken aus Bruchsteinen, das einen Durchmesser von 1,20 m hat, welches nun wieder zum Vorschein kam. Anfang der 30er Jahre brach im Winter die Giebelseite des Beckens ein, sodass sie vom Bauunternehmen Busenbach wieder hergerichtet werden musste. Dieses Unternehmen war auch der Erbauer der Kirche. Damals gab es die sogenannten "Hammerrechte", die nur derjenige besaß, der in der Lage war, die Bruchsteine in die richtige Form zu "kloppen". Denn "das konnte noch lange nicht jeder", fügte Frau Vierbücher hinzu.

2. Station Bäckerei Wagener

Zunächst wurde diese Bäckerei von Josef Hoehnig betrieben, der mit seinem von einem Pferd gezogenen Packwagen die Backwaren in die naheliegenden Ortschaften brachte. 1955 übernahm dann Lorenz Wagener die Bäckerei, der den Wagen dann allerdings gegen ein Büschen austauschte, mit dem er seine "legendären Liebesknochen" unter die Leute brachte. Bis heute wohnt der Sohn von Lorenz Wagener in diesem Haus.

3. Station Kreuzung "Erdinger Straße, Paul-Klose-Straße, Am Kindergarten und im Hainsfeld"

Ursprünglich war der Kindergarten am Ortsende gelegen, bis Heinz Zimmermann und Hans-Günther Wagener als erste ihre Häuser im Baugebiet "BP 19" (also die heutige Paul-Klose-Straße und die Erdinger Straße) bauten.

Eine neue Erweiterung stellte dann die Bebauung des heutigen sogenannten Neubaugebiets dar, das bis zu diesem Zeitpunkt landschaftliches Nutzgebiet war. Die frühesten Pläne beinhalteten Straßen, die bis zu 14 m breit sein sollten und genügend Parkmöglichkeiten zur Verfügung stellten. Dies wurde jedoch schnell verworfen und man passte das Wohngebiet dem restlichen Ort an. Alle Straßennamen (Auf der Flöte, In den Kirchenhähnen, Auf dem Pol) sind aus früheren Flurbezeichnungen entstanden, wodurch die ehemalige Nutzung des Gebietes deutlich wird.

In den genannten Straßen wohnen viele "neue Lichtenberger". Einer von ihnen ist Jakob Dück, der erzählte, wie er nach Lichtenberg gekommen ist. 1992 besuchte er seinen Schwager Heinrich Pankratz in Lichtenberg, der ihn überredete auch nach Deutschland zu kommen. Zunächst wollte die Familie nach Waldbröl ziehen, da aber das Haus von Dieter Greb zu dieser Zeit zum Verkauf stand, zog die Familie Dück 1993 kurzer Hand nach Lichtenberg. Letztendlich bauten sie doch ihr eigenes Haus und fühlen sich hier "sehr wohl", wie Jakob Dück betonte.

Station 4 Firma Brocke

Heinz Schlechtingen erzählte an dieser Station über die Entstehung und Entwicklung der Firma Brocke. Um das Gebäude herum liegen die Straßen "Auf dem Eipel" und "Sieben Eichen", die wiederum frühere landwirtschaftliche Nutzflächen beschreiben. 1934 wurde auf dem Platz der heutigen Firma das Reichsarbeitslager gebaut, in dem die eingezogenen Männer bis zu einem Alter von 17 Jahren ihren Arbeitsdienst ableisten mussten. Mit 18 kamen sie, wie Heinz Schlechtingen selbst auch, dann meistens zum Militär. Heinz Schlechtingen erklärte, dass die gleichaltrigen Mädchen in den Haushalten arbeiten mussten, woraufhin Marlies Schumacher erzählte, vor Kurzem eine Frau getroffen zu haben, die damals bei der Familie Utsch gearbeitet hatte.

Das Eingangstor des Reichsarbeitsdienstlagers wurde von Wachen beaufsichtigt und zu ihm gehörten sechs bis sieben Unterkunftsbaracken, in denen die jungen Männer untergebracht waren. Zwei Jahre später wurde an selber Stelle ein Exerzier- und Sportplatz gebaut, wo man den sogenannten "Dienst mit dem Spaten" ableisten musste. Hier fanden auch Paraden statt, erinnerte sich Heinz Schlechtingen. Mit dem Krieg war dann auch der Nationalsozialismus vorbei und der Sport entwickelte sich immer mehr. Die Dörfer Lichtenberg und Wendershagen schlossen sich zu dem großen Sportverein "Hansa Lichtenberg" zusammen, der auf dem Sportplatz des ehemaligen Reichsarbeitslager trainierte.

Nach dreieinhalb Jahren wurde dann die Firma Brocke angesiedelt, nachdem der Bürgermeister und der Ortsvorsteher, Heinz Schlechtingen selbst, zu dem Schluss gekommen waren, das dem Sport die Grundlage fehlte. Gründer der Firma war Josef Brocke, der bereits einen Betrieb in Schwelm hatte, wo sich allerdings keine Möglichkeit zur Vergrößerung bot. Die Wahl fiel auf Lichtenberg, weil Brocke sich durch sein Jagdhaus in Appenhagen in der Gegend auskannte. Beim Richtfest verkündete er, dass er plane 50 Mitarbeiter zu haben. In Lichtenberg fehlten jedoch die Facharbeiter, die daraufhin aus Schwelm und Lüdenscheid kamen. Einer von ihnen war Günter Krüger 1962 kam er nach Lichtenberg und bekam vier Jahre später das Angebot in der Siedlung, die ebenfalls der Firma gehörte, zu bauen.

Im Laufe der Jahre vergrößerte sich der Betrieb immer mehr, sodass er sogar bis nach Waldbröl ausgeweitet wurde.

An der gleichen Station wurde 2003 eine große Schwingschaukel gebaut. Sie dient den Kindern und Jugendlichen als alternativer Aufenthaltsort und ist angeblich die größte Schwingschaukel Deutschlands. Das Grundstück gehört ebenfalls zur Firma Brocke, ist aber kein Bauland, sondern Abstandsfläche.

Station 5 Spielplatz

Der Spielplatz wurde 1990 von er Dorfgemeinschaft gebaut, nachdem viele Familien mit Kindern zugezogen waren, die keine andere Spielmöglichkeit hatten. Das Grundstück war als Bauland nicht zu gebrauchen, sodass die Dorfgemeinschaft es zu Verfügung bekam. Der Spielplatz wird regelmäßig gewartet und einmal im Jahr von der Gemeinde Morsbach begangen und nach Mängeln untersucht, wie Willi Lensing erklärte.

Station 6 Auf dem Pol

Günter Krüger erklärte, dass nur die zwei Mehrfamilienhäuser am Ende der Straße wirklich Eigentum der Firma Brocke waren und sind. Anfangs wohnten viele Mitarbeiter der Firma dort, die später aber nach und nach auszogen. Viele von ihnen bauten auf dem "Hypothekenhügel" ihre Häuser, unter anderem sechs Doppelhäuser, die den Spitznamen "die 12 Apostel" trugen. Der obere Teil der Straße (der sog. obere Pol) hat allerdings nichts mit der Firma Brocke zu tun. Dies ist die Bauernsiedlung, wobei niemand etwas genaueres dazu zu sagen hatte. Noch heute wohnen überwiegend Mitarbeiter der Fa. Brocke dort.

Station 7 Seniorenpark

Ursprünglich wurde der heutige Seniorenpark von den Gebrüder Stausberg als Hotel gebaut und geleitet. Hierzu gehörten auch ein Schwimmbad, ein Tennisplatz, eine Minigolfanlage und die Häuser in der Straße "Sonnenhang" die als Wohnstätten für die Angestellten des Hotels dienten.

Helmut Schöntauf fügte hinzu, dass es zwischen den beiden Gebäuden des Hotels einen unterirdischen etwa 1,40 m hohen Verbindungsgang gibt, in dem die Leitungen für Wasser und Strom verlaufen. Heinz Schlechtingen wusste zu berichten, dass das Hotel als Land- und Tagungshotel unter anderem von großen Firmen wie Siemens genutzt wurde. Auch viele Prominente wie Rudi Carell, Blacky Fuchsberger und Jürgen Drews wohnten dort. Der Betrieb musste später aufgegeben werden und wurde verkauft. Aber auch der Nachfolger konnte das Hotel nicht sehr lange erhalten.

1986 erfolgte dann der Umbruch und die Elterninitiative "Kleine Freunde e.V." richteten in der Grillhütte des Seniorenparks einen weiteren Kindergarten in unserem Dorf ein.

Station 8 Am Eipel

Das Haus in dem heute die Familie Karb wohnt, wurde von einem "Klüttenköber", einem Kohlenhändler aus Köln gebaut, der die Erlaubnis bekam an dieser schlecht zugänglichen Stelle zu bauen.

Station 9 Grillhütte

An diesem Platz befand sich bis vor ein paar Jahren noch eine von der Dorfgemeinschaft errichtete Hütte mit Rundgrill, den Vereine und Privatpersonen für Geburtstagsfeiern gerne nutzten. Mit der Zeit gab es aber immer wieder Unruhen durch Ortsfremde und die Anwohner fühlten sich zunehmend belästigt, sodass man beschloss die Hütte abzubauen.

Doch eigentlich sollte der Platz einem ganz anderen Zweck dienen, wie Heinz Schlechtingen berichtete. Man hatte schon einen Damm aufgeschüttet, um dort eine Badeanstalt zu eröffnen. Man sah aber keine Zukunft darin und niemand wollte die Haftung und die Verantwortung für dieses Projekt übernehmen, weshalb die Pläne verworfen wurden.

Dies wurde auch an Karneval thematisiert. Von 1946 bis 1976 gab es in Lichtenberg einen eigenen Prinzen, eine Garde und auch mehrere Sitzungen. Im Jahr 1962 war Heinz Schlechtingen der Lichtenberger Prinz und verkündete seinen Paragraphen. Er erklärte seinen Funkoffizier Heinz Klein zum Aufseher über die Badeanstalt, damit er die "Aufsicht über die Damen" übernehmen konnte, worin er durch sein Hotel in Rom schon Übung habe, so Schlechtingen. Der Prinz entzog der Firma Brocke symbolisch das Baurecht und beschloss einen Festplatz darauf zu errichten.

Heinz Schlechtingen erzählte weiterhin, dass Lichtenberg damals mit dem Wasser versorgt wurde, das in einem Pumpenhäuschen gesammelt und anschließend zur Kirche hochgepumpt wurde. Dennoch war nicht immer gewährleistet, dass der obere Teil des Ortes Wasser hatte, sodass die Anwohner manchmal so lange auf Wasser warten mussten, bis sie mit Aggerwasser versorgt wurden.

Der Wasserverband wurde später aufgelöst und aus ihm ging die Dorfgemeinschaft hervor, von der Heinz Schlechtingen ein Mitbegründer ist. In seiner Funktion als Ortsvorsteher berief er eine Versammlung ein, aus welcher der eingetragene Verein hervorging, denn nur ein solcher war berechtigt Grundstücke zu besitzen. Die Funktion des Ortsvorstehers bestand darin, als Ansprechpartner für die Dorfbewohner zur Verfügung zu stehen. Er wurde im Rat der Gemeinde gewählt.

Station 10 Am Rinnchen

Wie auch im Vorjahr wurde der Spaziergang am Rinnchen beendet, wo sich Stefan Gandenberger noch einmal für das große Interesse bedankte und die Teilnehmer den Nachmittag mit einem gemeinsamen Grillen ausklingen ließen.

© Text: Katrin Zimmermann 2007 Fotos: Dr. Lensing 2007