Inhaltsverzeichnis   Druckansicht  

Dorfgemeinschaft Lichtenberg e.V.Dorfgemeinschaft Lichtenberg e.V.

Letzte Änderung:
04.05.2017, 20:50

Startseite > Der Verein > Berichte > Das Jahr 2006

Das Jahr 2006

Zum auf- oder zuklappen einfach auf den Bericht klicken...

Das Rinnchen hat eine neue Bank bekommen

Nach über zehn Jahren, seit dem Bestehen des neuen Rinnchens, musste die marode Bank erneuert werden.

Dank der Hilfe von Christian Kappenstein wurden neue Bretter zur Verfügung gestellt und unter Mitwirkung seines Gehilfen die Bank rechtzeitig zum Straßenfest der Gartenstraße montiert.

Danke von der Dorfgemeinschaft an die Beiden, und danke an den ortsansässigen Schreiner für die dafür zur Verfügung gestellten Holzbearbeitungsmaschinen.

Vandalismus auf unserem Spielplatz

Von der Instandsetzung durch die Dorfgemeinschaft im Herbst letzten Jahres, ist nicht viel zu sehen. Die wenigen Bilder zeigen nur Beispiele wie auf dem Spielplatz randaliert und zerstört wird. Mit schwerem Werkzeug werden dicke Schrauben gelöst, ein Feuer in der kleinen Hütte entzündet und Müll in Form von alten Türen herbeigeschafft.

Dank unserem Vorstandsmitglied Markus Wehling, wird der Platz regelmäßig gemäht und gereinigt. Leider wird dieser Einsatz von den Kindern und Jugendlichen nicht geschätzt und auch Gespräche mit ihnen haben bisher kaum Erfolge gezeigt.

So gibt es erneut einen Arbeitseinsatz durch die Dorfgemeinschaft, unter deren Obhut dieser Spielplatz steht. Denn wir möchten den Platz für unsere Kinder in Ordnung zu halten.

Dies kostet nicht nur Arbeitskraft, sondern auch Geld. Und Spielgeräte sind nur zu so genannten Apothekerpreisen zu haben.

Wir bitten daher alle Lichtenberger und insbesondere die Eltern der Kinder und Jugendlichen uns zu unterstützen und mit auf die Sauberkeit des Platzes zu achten.

Wir haben auch die Gemeinde über die Zustände auf dem Spielplatz unterrichtet und erhoffen uns von dort Hilfe.

Denn noch geben wir nicht auf!

Historische Ortsbegehung Lichtenberg Teil I am 26. August 2006

Start: Schulhof der Grundschule Lichtenberg

Diese Ortsbegehung stellt nur einen Teil der Geschichte Lichtenbergs dar, weitere Ortsbegehungen sollen folgen.

Als Referenten waren Heinz Schlechtingen, Kunibert Schumacher und Günther Klein vorgesehen, jedoch auch alle Anwesenden eingeladen, ihre Erinnerungen miteinzubringen. Davon hatten auch über 50 Personen Gebrauch gemacht, und wurden mit trockenem Wetter belohnt.

Der ehemalige Lehrer an der Grundschule Lichtenberg, Günter Klein, berichtete zunächst über die Entstehung der Schule. Im Falle Lichtenbergs sei es ungewöhnlich gewesen, dass zunächst die Schule und erst Jahre später die Kirche im Ort gewesen sei.

Interessant zu diesem Thema war unter anderem die damalige Bezeichnung als "Das Schülchen", die Ausführungen Kleins zu dem damaligen Lehrer Otterbach, der "hinterm Geld her war" und daher in seinem eigenen Haus Räume zur Vermietung für den Schulunterricht bereitstellte. Wie Klein erläuterte, sollen schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Schülerzahlen zwischen 100 und 120 Schülern gelegen haben. Bei Überprüfungen des Schulamts seien in den Räumen aber nie mehr als 30-35 Schüler aufgefunden worden.

Im Jahre 1957 wurde dann die neue Schule eingeweiht. Die heutige Schulleiterin Frau Lüke fügte hinzu, auch heute noch lägen die Schülerzahlen mit 108 Schülern ungefähr auf gleichem Niveau.

Die weiteren Ausführungen zur Schule in Lichtenberg sind gesammelt in der Chronik der Schule und sollen hier nicht weiter erwähnt werden.

2. Station: Katholische Kirche St. Joseph

Heinz Schlechtingen führte zunächst anhand historischer Daten grob durch die Geschichte der Kirche

So wurde 1898 der Kapellenbauverein gegründet, um die Anstrengung der Lichtenberger Kirchgänger auf dem Weg zur 2-mal am Tag stattfindenden Messe in der Morsbacher Kirche durch den Bau einer eigenen Kapelle zu vermeiden.

1905 wurde die Kirche fertiggestellt, die einen bedeutend kleineren Turm als die heutige besaß, die den First kaum überragte. Einen Pfarrer hatte die Lichtenberger Kirche damit allerdings noch lange nicht, der Pfarrer aus Morsbach kam zu den Messen mit der Kutsche angereist.

1923 - 25 wurde dann auch der Friedhof an seinem jetzigen Standort errichtet. Der erste Ortsangehörige, der dort seine letzte Ruhe fand, war mit Herrn Höfer, auch derjenige, der sich jahrelang für den Friedhof eingesetzt hatte. Das Grab ist auch heute noch auf dem Friedhof zu finden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Pfarrhaus bis zur Unbewohnbarkeit zerstört, und auch die Kirche wurde von Artilleriefeuer getroffen, so dass diese im Gebälk auseinanderdriftete. Man "band" sie daraufhin mit Stahlstäben zusammen, um eine völlige Zerstörung zu vermeiden.

Wie Franziska Vierbücher hinzufügte, wurde auch der damalige Pfarrer Drucks in der Kirche von dem Beschuß getroffen, wurde von dem im Lichtenberger Arbeitslager stationierten Roten Kreuz nach Olpe gebracht, verlor aber in Folge seiner Verwundung ein Bein.

Nach dem Krieg wurde die heutige Kirche 1959 neben der alten errichtet, so dass bis 1961 (Abriss der alten Kirche) zwei Kirchen nebeneinander standen. Gebaut wurde diese von der ortsansässigen Firma Busenbach, da, so eine Zuhörerin, "europaweite Ausschreibungen damals noch nicht üblich waren".

Klein erzählte zur Grundstein-Urkunde der alten Kirche, die in die neue mit eingemauert wurde, dass Pfarrer Klose ihm die damals übliche Kapsel mit der Urkunde gezeigt habe. Er habe sich daraufhin gewundert, warum darin nicht die üblichen Münzen enthalten gewesen seien. Klose habe ihm daraufhin erklärt, die Bevölkerung habe "keinen Pfennig mehr für in die Kapsel übrig gehabt".

In der heutigen Kirche befindet sich aus dem Bestand der alten neben dem Beichtstuhl auch noch der alte Kreuzweg.

3. Station: Feuerwehrhaus

Heinz Schlechtingen berichtete, dass an der Stelle des heutigen Feuerwehrhauses früher eine Grünfläche gewesen sei, die im Volksmund "Körplatz" hieß. Der Name stamme von der Vorführung und Kür der Jungbullen, die dort stattgefunden habe. Die Nachzucht von Jungtieren sei nur mit zugelassenen Bullen erlaubt gewesen.

(Ob auch die jungen Männer vorgeführt und zur Nachzucht zugelassen wurden, konnte im folgenden Gespräch nicht geklärt werden.)

Bullenhaltungs-Genossenschaft

Helmut Kappenstein ergänzte noch einige Details zum Thema "Viehhaltung" in Lichtenberg, es habe damals ja auch genauso viele Kühe gegeben wie Menschen. Und da er jede persönlich gekannt habe- denn er war Milchkontrolleur- könne er dazu noch etwas beitragen: Es habe ungefähr 110-120 Kühe im Ort gegeben, so dass man um 1960 eine Bullenhaltungs-Genossenschaft gegründet und zwei Deckstiere angeschafft habe.

10 Jahre lang habe man so für Nachwuchs gesorgt, ehe um 1970 mit der künstlichen Besamung der Tiere begonnen wurde. Zunächst habe man beide Möglichkeiten zu 50 % genutzt, in der Mitte der 70er habe sich die Bullenhaltungs-Genossenschaft aufgelöst.

Die heutige Geschichte des Feuerwehrhauses sowie der Freiwilligen Feuerwehr übernahm Johannes Mauelshagen.

Die Feuerwehr sei 1925 gegründet worden, habe sich aber zunächst in der "Heersch Scheuer" oberhalb der heutigen Grundschule befunden.

Bevor 1974 der Bau des neuen Feuerwehrhauses abgeschlossen war, wurden Fahrzeuge, Geräte und Gruppenraum in den beiden unteren Räumen der Grundschule untergebracht.

Man erinnerte sich außerdem zurück, dass damals bei Feueralarm die Bauern "so schnell sie konnten" mit ihren Treckern zum Treffpunkt gefahren seien, wo dann der erste die Pumpe an seinen Trecker angehängt habe, die restlichen haben die Feuerwehrmänner mitgenommen, und so sei man in "Windeseile" am Brandort gewesen.

An den Feueralarm konnte sich Franziska Vierbücher auch noch gut erinnern, so hätte "et Heersch Johanna" als Frau des "Ober-Feuerwehrmannes" früher im Nachthemd auf der Straße "et Hörnchen geblasen", bis alle Männer auf ihrem Posten gewesen wären.

An der Stelle des heutigen Feuerwehrhauses habe nach dem Gebrauch als "Körplatz" eine Dreschhalle gestanden. Dort haben zeitweise 10 Wagen der umliegenden Bauern in der Reihe angestanden, um das Getreide mit der Maschine dreschen zu lassen. Dazu sei ein Ochse im Kreis gelaufen, um die Maschine anzutreiben.

Die Feuerwehr Lichtenberg habe nach dem 2. WK ein besonderes Privileg gehabt, so Johannes Mauelshagen. Man habe eine amerikanische Pumpe "Lichtenberger Feuerwehr-Eigentum" nennen können, die die Amerikaner "wohl zufällig vergessen haben mussten".

Kurz erinnerte man sich außerdem im Angesicht des heutigen Festplatzes, der neben dem Erntedankfest den Rest des Jahres als Bolzplatz zur Verfügung steht, und nach Kunibert Schumacher auch gut angenommen wird, an den früheren Sportplatz. Dieser wurde 1935 vom Reichsarbeitsdienst an der Stelle der heutigen Firma ISE Intex errichtet. Um diesen Ortsteil und andere soll es aber auch in einer weiteren historischen Ortbegehung gehen.

4. Station: Fenscher Bach

In der Nähe der Quelle des Fenscher Bachs erläuterte Heinz Schlechtingen, welche Bedeutung die Quelle gehabt habe, zum einen da es erst 1911 Wasserleitungen in Lichtenberg gegeben habe (Strom ab 1923), zum anderen aber auch als Treffpunkt, da der Platz zum Bleichen der Wäsche genutzt wurde. Wieder und wieder wurde die Wäsche, die um den kleinen Bach verteilt lag, feucht gemacht, und zum guten Schluss "rannten dann die Hühner drüber", so Utsch´Klara.

Nach Morsbach lief man als Lichtenberger "über den Berg", was aufgrund der heutigen Straßenführung kaum nachvollziehbar ist, doch diese entstand erst um 1850 als Schotterweg. Der Fußweg lief über Ortseifen, eine Route, die auch heute noch viele zum Wandern nutzen.

5. Station: "Alter Viehweg"

Auf der Kuppe oberhalb des "Alten Hahns" kam es zu einem kurzen Gespräch über die Wegekreuze, die nach Meinung der Anwesenden früher wie heute in allen vier Himmelsrichtungen stehen, von denen min. 3 in Besitz der Kirche sind, und die man früher 3 Tage vor Christi Himmelfahrt vor der Messe mit der Bittprozession besuchte.

Bis Anfang der 60er Jahre fand auch das Lichtenberger Osterfeuer auf dieser Kuppe am Waldrand statt.

6. Station: "Altes Doormans-Haus"

An der Kreuzung der Nürsche und des Torwegs, nach links ging dort früher der Viehweg ab, steht das alte "Doormanns-Haus". Der Begriff ist zwar den meisten geläufig, doch hier erklärte Günther Klein welche Bewandtnis es mit diesem Haus, dessen Namen und der Preussischen Hofzaunordnung hatte.

So habe man beschlossen, das um die Ortschaften, in denen auch Ferkel gehalten wurde, ein Zaun bzw. eine Mauer gezogen werden musste, so auch um Lichtenberg.

Dieser Zaun habe 5 Tore gehabt, die von den Familien Kappenstein, Mauelshagen, Reuber, Weber und Schneider "zu beaufsichtigen waren". Letztere bewohnten eben dieses "Doormanns-Haus" eben so, wie Robert Schneider auch über die Grenzen Lichtenbergs hinaus als "der Doormanns Robert" bekannt war.

Aus diesem Zusammenhang heraus lassen sich auch Straßennamen wie der "Torweg" aber auch "Zu den Gärten" herleiten, denn Gärten durfte es innerhalb der Umzäunung nicht geben. So haben sich die Gärten der Lichtenberger damals genau dort erstreckt, wo sich heute die Straße " Zu den Gärten " befindet, und zwar hinter dem Tor bei dem Haus "Linken Ännchen".

Dass es mit Verboten nicht alle so ernst genommen haben, so Klein, habe man an den zahlreichen Anzeigen zwischen 1820 und 1850 ersehen können. Damals haben die "Burschen alle Nase lang nachts die Tore ausgehängt, so dass sie Ferkel wegliefen."

Stellt man sich die heutigen Ausmaße eines Zaunes um Lichtenberg vor, wird schnell ersichtlich, dass es um andere Dimensionen geht, so waren es 1946 304 Einwohner in Lichtenberg, das heute rund 1500 Menschen ihre Heimat nennen.

Als Pastor Klose damals nach Lichtenberg gehen wollte, hatte ihn noch ein Freund gewarnt: "Nach Lichtenberg? Na, dann pass mal auf, dass Dich die Ferkel nicht umrennen."

7. und letzte Station: Rinnchen

Hier klang die Begehung mit einem gemütlichen Grillen aus, bei dem noch viele alte Geschichten aus dem Gedächtnis gekramt wurden. So auch diese:

"Ein richtiger Lichtenberger muss 3mal mit den Klamotten im Rinnchen gelegen haben, sonst ist er keiner."

Vielleicht endet ja mit dieser Taufe die nächste historische Ortsbegehung in Lichtenberg.

Text: Nadine Lange Bilder: Dr. Lensing